Strategie · Handbewertung

Was besagt das Gesetz der Gesamtstiche beim Bridge?

In vielen Wettbewerbsauktionen ist nicht die Punktezahl die wichtigste Information, sondern die Gesamtlänge der Trumpffarben beider Seiten. Genau darum geht es beim Gesetz der Gesamtstiche.

Kurz gesagt: Das Gesetz der Gesamtstiche besagt, dass die Gesamtzahl der Stiche, die in einer Hand von beiden Seiten zusammen erzielt werden können, ungefähr der Gesamtzahl der Trumpfkarten beider Seiten in ihren jeweils längsten Farben entspricht. Als Faustregel gilt: Reizen Sie bis zu der Stufe, die der Anzahl Ihrer eigenen Trumpfkarten entspricht, etwa neun Trumpf gemeinsam sprechen für ein Gebot bis zur Dreistufe.

Was das Gesetz der Gesamtstiche besagt

Das Gesetz der Gesamtstiche, im Englischen Law of Total Tricks genannt, beschreibt eine Beobachtung aus vielen tausend gespielten Händen: Die Gesamtzahl der Stiche, die beide Seiten zusammen in ihrem jeweils besten Trumpf gewinnen können, entspricht ungefähr der Gesamtzahl der Trumpfkarten, die beide Seiten in ihrer jeweils längsten Farbe zusammen halten.

Das klingt zunächst abstrakt, wird in der Praxis aber zu einer einfachen und nützlichen Faustregel für Wettbewerbsentscheidungen, bei denen beide Seiten bieten wollen.

Die praktische Faustregel

Zählen Sie, wie viele Trumpfkarten Ihre Partnerschaft gemeinsam hält. Diese Zahl entspricht ungefähr der Stufe, bis zu der Sie in einer Wettbewerbsauktion gehen dürfen, unabhängig von der genauen Punktezahl.

Trumpflänge und Empfohlene Stufe

8 Trumpf
Ungefähr sicher bis zur Zweistufe.
9 Trumpf
Ungefähr sicher bis zur Dreistufe.
10 Trumpf
Ungefähr sicher bis zur Vierstufe.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Ihre Partnerschaft hat einen Herz-Fit mit neun gemeinsamen Karten gefunden, die Gegner bieten Pik weiter und haben vermutlich ebenfalls einen guten Fit. Nach dem Gesetz der Gesamtstiche dürfen Sie in dieser Situation bis zur Dreistufe in Herz gehen, selbst wenn Ihre Punktezahl für sich genommen eher knapp erscheint, weil die gemeinsame Trumpflänge das rechtfertigt.

Wofür es in Wettbewerbsauktionen genutzt wird

Das Gesetz der Gesamtstiche hilft vor allem bei der Frage: "Soll ich noch ein Gebot höher gehen, obwohl beide Seiten bereits bieten?" Statt sich allein auf Punkte zu verlassen, gibt die gemeinsame Trumpflänge eine schnelle, verlässliche zweite Meinung, besonders in schnellen, kompetitiven Auktionen, in denen wenig Zeit zum Nachdenken bleibt.

Praktischer Nutzen: Lange Trumpfeinigung bei Ihrer Partnerschaft ist fast immer ein guter Grund, ein weiteres Gebot zu wagen, auch wenn die Hochkartenpunkte allein dagegen sprechen würden.

Grenzen des Gesetzes

Das Gesetz der Gesamtstiche ist eine Faustregel, kein exaktes mathematisches Gesetz. Bei sehr verzerrten Verteilungen, etwa Doubletons in beiden Nebenfarben oder außergewöhnlich starken Bildkartenkombinationen, kann die tatsächliche Stichzahl deutlich von der Vorhersage abweichen. Erfahrene Spieler nutzen das Gesetz daher als ersten Anhaltspunkt, nicht als letzte Entscheidung.

Was ist ein Opfergebot und wer hat das Gesetz entwickelt?

Ein Opfergebot, im Englischen Sacrifice genannt, ist ein bewusstes Gebot über die Stufe hinaus, bei der Sie noch mit einem eigenen erfolgreichen Kontrakt rechnen. Sie nehmen dabei eine Strafe in Kauf, die günstiger ausfällt als der Kontrakt, den die Gegner sonst machen würden. Das Gesetz der Gesamtstiche hilft genau bei dieser Entscheidung: Zeigt die gemeinsame Trumpflänge, dass die Gegner ihren Kontrakt wahrscheinlich machen, und hat Ihre eigene Seite einen langen Trumpffit, kann ein Opfergebot trotz erwarteter Minuspunkte am Ende die günstigere Wahl sein.

Dieses Prinzip überschneidet sich eng mit dem preemptiven Reizen, bei dem eine lange Trumpffarbe genutzt wird, um den Gegnern den Reizraum zu nehmen. Beide Werkzeuge beruhen auf derselben Grundidee: Nicht die Punktezahl, sondern die Trumpflänge bestimmt, wie hoch eine Wettbewerbsauktion sinnvoll getrieben werden kann.

Das Gesetz der Gesamtstiche wurde in den 1950er Jahren vom französischen Bridge-Theoretiker Jean-René Vernes erstmals beschrieben. Bekannt wurde es einem breiteren Publikum aber erst Jahrzehnte später, durch Bücher und Artikel, die seine Beobachtung in die einfache Faustregel übersetzten, die viele Spieler heute am Tisch verwenden. Am besten lässt sich der Umgang damit üben, indem Sie gezielt ein paar Sitzungen auf einer der Online-Bridge-Plattformen spielen und dabei bewusst auf die gemeinsame Trumpflänge in jeder Wettbewerbsauktion achten.

Häufig gestellte Fragen

Was besagt das Gesetz der Gesamtstiche einfach erklärt?

Die Gesamtzahl der Stiche, die beide Seiten zusammen gewinnen können, entspricht ungefähr der Gesamtzahl der Trumpfkarten beider Seiten in ihrer jeweils längsten Farbe.

Wie nutze ich das Gesetz in einer Wettbewerbsauktion?

Zählen Sie Ihre gemeinsame Trumpflänge. Diese Zahl zeigt ungefähr, bis zu welcher Stufe Sie sicher bieten können, unabhängig von der genauen Punktezahl.

Ist das Gesetz der Gesamtstiche immer exakt korrekt?

Nein, es ist eine bewährte Faustregel, keine exakte Formel. Bei ungewöhnlichen Verteilungen kann die tatsächliche Stichzahl abweichen.

Wie unterscheidet sich das Gesetz der Gesamtstiche von der Verliererzählung?

Die Verliererzählung schätzt das eigene Spielniveau anhand der Verlierer in der eigenen Hand. Das Gesetz der Gesamtstiche hilft bei Wettbewerbsentscheidungen anhand der gemeinsamen Trumpflänge beider Seiten.

Was ist ein Opfergebot und wie hängt es mit dem Gesetz zusammen?

Ein Opfergebot ist ein bewusstes Gebot über die Stufe hinaus, bei der Sie noch mit einem eigenen Kontrakt rechnen, um eine günstigere Strafe zu kassieren, als die Gegner ihren Kontrakt zu überlassen. Das Gesetz der Gesamtstiche hilft einzuschätzen, ob ein Opfergebot bei der gegebenen Trumpflänge voraussichtlich günstig genug ausfällt, um sich zu lohnen.

Wer hat das Gesetz der Gesamtstiche entwickelt?

Der französische Bridge-Theoretiker Jean-René Vernes beschrieb den Zusammenhang erstmals in den 1950er Jahren. Bekannt wurde er einem breiteren Publikum erst Jahrzehnte später, durch Bücher und Artikel, die seine Beobachtung in eine praktische Reizregel übersetzten.

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