Was ist eine Finesse beim Bridge?
Die Finesse ist die erste echte Kartenspieltechnik, die jeder Bridgespieler lernt: ein Versuch, mit einer niedrigeren Karte einen Stich zu gewinnen, der eigentlich einer hohen Karte des Gegners gehören sollte.
Kurz gesagt: Eine Finesse ist ein Spielzug, bei dem Sie eine niedrigere Karte gegen eine vermutete hohe Karte des Gegners ausspielen, in der Hoffnung, dass diese hohe Karte bei dem Gegner sitzt, der nicht mehr am Zug ist. Gelingt sie, gewinnen Sie einen Stich, der Ihnen sonst nicht zustünde.
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Was eine Finesse genau ist
Stellen Sie sich vor, Sie halten Ass und Dame in einer Farbe, und irgendwo bei den Gegnern liegt der König. Spielen Sie einfach Ass und dann die Dame, gewinnt der König automatisch einen Stich, sobald er fällt. Spielen Sie stattdessen zuerst auf die Dame zu und der König sitzt bei dem Gegner, der vor der Dame an der Reihe ist, gewinnt die Dame den Stich, weil dieser Gegner den König gar nicht mehr einsetzen kann, ohne dass Sie mit dem Ass darüber stechen.
Genau das ist eine Finesse: Sie spielen eine niedrigere Karte, in der Hoffnung, dass die entscheidende hohe Karte des Gegners auf der "richtigen" Seite sitzt, also bei dem Spieler, der schon gespielt hat, bevor Ihre Karte dran ist.
Die Technik funktioniert nur, wenn Sie die Reihenfolge des Ausspiels steuern können, meist aus der Hand heraus, die dem Gegner mit der vermuteten hohen Karte gegenübersitzt. Deshalb ist die Sitzposition am Tisch für eine Finesse mindestens genauso wichtig wie die Karten selbst.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Sie sind Alleinspieler in Pik. Ihre Hand hält Ass, Dame und zwei kleine Pik, der Blindmann gegenüber hält vier kleine Pik ohne weitere Bildkarte. Der König liegt bei einem der beiden Gegner, Sie wissen nicht, bei welchem.
So spielen sie die Finesse
Gewinnt die Dame, haben Sie einen Stich gewonnen, den ein einfaches Ausspiel von Ass und Dame niemals gebracht hätte. Verliert die Dame gegen den König, haben Sie später immer noch das Ass, um den nächsten Stich in der Farbe zu gewinnen. Eine Finesse kostet Sie im schlimmsten Fall also nichts zusätzlich, sie kann nur gewinnen.
Wie hoch stehen die Chancen?
Eine einfache Finesse auf eine fehlende Bildkarte gelingt ungefähr in der Hälfte aller Fälle, denn die Karte liegt entweder beim einen oder beim anderen Gegner, mit ungefähr gleicher Wahrscheinlichkeit. Das klingt nach einer Münzwurf-Chance, ist aber deutlich besser als gar keinen Versuch zu wagen, wenn die Alternative sonst gar keinen zusätzlichen Stich bringt.
Mit zusätzlichen Hinweisen aus dem Reizverlauf oder aus bereits gespielten Stichen lässt sich die Erfolgswahrscheinlichkeit oft deutlich genauer einschätzen als fünfzig zu fünfzig. Wer zum Beispiel weiß, dass ein Gegner bereits viele Punkte für sein eigenes Eröffnungsgebot gezeigt hat, kann daraus ableiten, wo eine fehlende hohe Karte eher zu vermuten ist.
Wann sie eine Finesse spielen sollten
✓ Gute Gelegenheit für eine Finesse
- Sie brauchen einen zusätzlichen Stich, um den Kontrakt zu erfüllen
- Sie haben keine sicherere Alternative, den Stich zu gewinnen
- Die Sitzposition der Gegner erlaubt es, aus der richtigen Hand anzuspielen
✗ Finesse besser vermeiden, wenn
- Ein Fehlschlag den Kontrakt sofort kostet und eine sichere Alternative existiert
- Sie den Stich auch ohne Risiko sicher gewinnen können
- Die Reizung bereits verraten hat, wo die entscheidende Karte sitzt
Welche weiteren Finesse-Arten gibt es?
Die einfache Finesse aus dem Beispiel oben ist nur der Anfang. Sobald Sie die Grundidee verinnerlicht haben, lohnt es sich, auch die folgenden vier Varianten zu kennen, denn sie tauchen in fast jeder Spielsitzung auf.
Doppelte Finesse
Hier fehlen Ihnen zwei Bildkarten, zum Beispiel König und Dame, während Sie selbst Ass, Bube und Zehn halten. Sie spielen zuerst auf die Zehn zu. Verliert sie, spielen Sie später erneut zu und finessieren mit dem Buben gegen die zweite fehlende Ehrenkarte. Eine doppelte Finesse auf mindestens einen der beiden fehlenden Stiche gelingt in etwa drei von vier Fällen.
Zweiwege Finesse
Manchmal können Sie die fehlende Dame in beide Richtungen finessieren, etwa mit Ass-Bube in der einen Hand und König-Zehn in der anderen. Welche Richtung die bessere ist, verraten meist Hinweise aus der Reizung: Ein Gegner, der selbst eröffnet oder überboten hat, hält die fehlende Ehrenkarte häufiger.
Wiederholte Finesse
Mit genügend Einstichen können Sie dieselbe Finesse mehrfach hintereinander versuchen. Halten Sie etwa König-Bube-Neun im Blindspiel, spielen Sie zunächst auf die Neun zu, kehren dann zur eigenen Hand zurück und finessieren erneut auf den Buben. Jeder Versuch hat für sich genommen eine Chance von fünfzig Prozent.
Ruff-Finesse
Bei einem Farbkontrakt lässt sich eine Finesse mit einer Trumpfoption verbinden. Halten Sie etwa Ass-Dame-Bube im Blindspiel und sind in Ihrer eigenen Hand bereits ohne diese Farbe, spielen Sie die Dame aus dem Blindspiel an. Wird sie vom König gestochen, trumpfen Sie ab, statt den Stich zu verlieren. Diese Variante ist stärker als eine einfache Finesse, weil sie auch dann noch einen Stich sichert, wenn die gesuchte Karte auf der ungünstigen Seite sitzt.
Häufige Fehler bei der Finesse
Der klassische Anfängerfehler ist, Ass und Dame einfach nacheinander auszuspielen, ohne die Möglichkeit einer Finesse überhaupt zu prüfen. Das kostet auf Dauer viele Stiche, die mit etwas Planung leicht zu gewinnen gewesen wären.
Der zweite häufige Fehler ist, aus der falschen Hand anzuspielen, sodass die Finesse gar nicht funktionieren kann, egal wo die gesuchte Karte liegt. Bevor Sie die erste Karte spielen, lohnt es sich immer, kurz zu überlegen, aus welcher Hand die entscheidende Karte kommen soll. Wenn Ihnen die Grundlagen des Kartenspiels noch nicht ganz vertraut sind, hilft ein Blick zurück in unseren Bereich Bridge lernen, bevor Sie sich an schwierigere Finesse-Situationen wagen.
Häufig gestellte Fragen
Was bedeutet Finesse beim Bridge?
Eine Finesse ist ein Spielzug, bei dem Sie mit einer niedrigeren Karte versuchen, einen Stich gegen eine vermutete hohe Karte des Gegners zu gewinnen, indem Sie die Reihenfolge des Ausspiels ausnutzen.
Wie hoch ist die Erfolgschance einer einfachen Finesse?
Etwa fünfzig Prozent, da die gesuchte Karte mit ungefähr gleicher Wahrscheinlichkeit bei einem der beiden Gegner liegt. Hinweise aus der Reizung können diese Einschätzung verbessern.
Kann eine Finesse den Kontrakt zusätzlich kosten, wenn sie misslingt?
In den meisten einfachen Fällen nicht: Misslingt die Finesse, gewinnen Sie den Stich später trotzdem noch mit Ihrer hohen Karte. Es gibt aber Situationen, in denen ein Fehlschlag dem Gegner zusätzliche Information oder Tempo gibt.
Was ist der Unterschied zwischen einer Finesse und einem sicheren Spiel?
Ein sicheres Spiel gewinnt die benötigten Stiche unabhängig davon, wie die Karten verteilt sind. Eine Finesse riskiert einen Stich, um die Chance auf einen zusätzlichen Stich zu bekommen, wenn kein sicheres Spiel zur Verfügung steht.