Konvention · Wettbewerbsreizen

Was ist ein Michaels Cuebid beim Bridge?

Statt eine einzelne Farbe zu zeigen, beschreibt der Michaels Cuebid mit einem einzigen Gebot gleich zwei Farben. Das Gebot in der Eröffnungsfarbe des Gegners ist eines der effizientesten Werkzeuge im Wettbewerbsreizen.

Kurz gesagt: Reizt der Gegner eine Nebenfarbe (Kreuz oder Karo) und Sie geben ein Cuebid in genau dieser Farbe, zeigt das beide Oberfarben mit mindestens fünf-fünf Karten. Eröffnet der Gegner eine Oberfarbe, zeigt das Cuebid die andere Oberfarbe zusammen mit einer noch unbekannten Nebenfarbe.

Was ein Michaels Cuebid ist

Normalerweise zeigt ein Cuebid in der gegnerischen Farbe eine sehr starke Hand mit Interesse an genau dieser Farbe. Der Michaels Cuebid, benannt nach Michael Michaels aus Florida, gibt diesem Gebot eine völlig andere, künstliche Bedeutung: Es zeigt eine Zweifarbenhand mit begrenzter bis mittlerer Stärke, ohne die geringste Absicht, die Farbe des Gegners zu spielen.

Der große Vorteil: Ein einziges Gebot beschreibt zwei Farben auf einmal, ein enormer Informationsgewinn gegenüber zwei separaten natürlichen Geboten, die in einer Wettbewerbsauktion oft gar keinen Platz mehr finden.

Die Mechanik nach neben- und Oberfarben

Michaels Cuebid je nach Eröffnung des Gegners

Nach 1 ♣ oder 1 ♦
Zeigt beide Oberfarben, mindestens fünf-fünf Herz und Pik.
Nach 1 ♥
Zeigt Pik und eine Nebenfarbe, welche Nebenfarbe klärt sich erst später.
Nach 1 ♠
Zeigt Herz und eine Nebenfarbe, welche Nebenfarbe klärt sich erst später.

Nach einer Nebenfarben-Eröffnung ist die Botschaft eindeutig: beide Oberfarben. Nach einer Oberfarben-Eröffnung bleibt die zweite Farbe zunächst offen, der Partner fragt bei Bedarf mit dem billigsten verfügbaren Gebot nach, meist 2 Sans Atout, danach zeigt der Cuebidder die Nebenfarbe.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Beispielauktion:
West
Nord
Ost
Süd
1 ♦
2 ♦
Pass
Pass
West eröffnet 1 Karo. Nord reizt 2 Karo, den Michaels Cuebid, und zeigt damit fünf oder mehr Karten in beiden Oberfarben, Herz und Pik, mit einer mittleren Handstärke. Ost und Süd wissen sofort, dass Nord kein Interesse an Karo hat, sondern eine Zweifarbenhand in den Oberfarben beschreibt.

Der Partner von Nord kann jetzt direkt die passende Oberfarbe wählen, ohne dass Nord zwei separate Gebote gebraucht hätte, die in einer kompetitiven Auktion möglicherweise nie beide Platz gefunden hätten.

Welche Anforderungen stellt die Hand?

✓ Michaels einsetzen, wenn

  • Sie mindestens fünf-fünf in den zu zeigenden Farben halten
  • Ihre Hand insgesamt mittlere Stärke hat, meist etwa 8 bis 11 Verteilungspunkte oder eine starke Verteilung
  • Sie im Wettbewerb schnell Platz beanspruchen wollen

✗ Michaels vermeiden, wenn

  • Sie nur eine Farbe lang halten: reizen Sie stattdessen einen normalen Overcall
  • Ihre Hand für ein Doppel besser geeignet ist

Wie reagiert der Partner nach Michaels?

Nach einer Nebenfarben-Eröffnung des Gegners wählt der Partner direkt zwischen Herz und Pik, meist auf Basis der eigenen Länge, nicht der Stärke, da beide Farben ja bereits fünf-fünf oder länger gezeigt sind. Nach einer Oberfarben-Eröffnung kann der Partner entweder direkt die gezeigte Oberfarbe unterstützen oder mit 2 Sans Atout nach der zweiten, noch unbekannten Farbe fragen.

Häufige Fehler beim Michaels Cuebid

  • Michaels ohne echte Fünf-Fünf-Verteilung reizen. Mit nur vier Karten in einer der beiden Farben verspricht das Gebot mehr, als die Hand tatsächlich hält, und der Partner reizt später zu hoch.
  • Nach einer Oberfarben-Eröffnung die zweite Farbe vergessen zu klären. Der Partner muss aktiv nachfragen, meist mit 2 Sans Atout, sonst bleibt die Nebenfarbe für die ganze Auktion unbekannt.
  • Michaels mit einer starken, ausgeglichenen Hand reizen. Das Gebot zeigt Verteilung, nicht Kraft. Mit einer starken, ausgeglichenen Hand ist ein natürliches Gebot oder ein Doppel meist die genauere Wahl.
  • Die Antwort des Partners falsch werten. Da beide Farben schon lang und meist schwach in Ehrenwerten sind, sollte der Partner nach der Farbwahl eher nach Länge als nach Zählpunkten entscheiden.

Häufig gestellte Fragen

Was zeigt ein Michaels Cuebid nach einer Nebenfarben-Eröffnung?

Ein Gebot in der Eröffnungsfarbe des Gegners (Kreuz oder Karo) zeigt beide Oberfarben, Herz und Pik, mit mindestens fünf Karten in jeder Farbe.

Was zeigt ein Michaels Cuebid nach einer Oberfarben-Eröffnung?

Es zeigt die andere Oberfarbe zusammen mit einer noch unbekannten Nebenfarbe. Der Partner kann mit dem billigsten verfügbaren Gebot nachfragen, welche Nebenfarbe gemeint ist.

Wie viele Punkte braucht man für einen Michaels Cuebid?

Meist eine mittlere Verteilungsstärke, oft zwischen 8 und 11 Punkten oder eine besonders lange, verteilungsstarke Hand. Wichtiger als die reine Punktzahl ist die geforderte Fünf-Fünf-Verteilung.

Ist ein Michaels Cuebid dasselbe wie ein normaler Cuebid?

Nein. Ein natürlicher Cuebid in der gegnerischen Farbe würde normalerweise eine sehr starke Hand mit Interesse an genau dieser Farbe zeigen. Michaels gibt demselben Gebot eine künstliche, völlig andere Bedeutung.

Was tut der Partner, wenn er die zweite Farbe nicht kennt?

Er fragt mit dem billigsten verfügbaren Gebot nach, meist 2 Sans Atout, und der Cuebidder zeigt danach seine Nebenfarbe.

Kann man Michaels auch mit einer schwächeren Hand spielen?

Manche Partnerschaften vereinbaren eine breitere Punktspanne für Michaels, von schwach bis stark, solange die Verteilung fünf-fünf oder besser ist. Das muss vorher klar abgesprochen und auf der Konventionskarte vermerkt werden.

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