Hilfsmittel · Reizen

Wie kann man das reizen beim Bridge üben?

Reizen lernt man nicht durch Lesen allein, sondern durch praktische Übung mit klaren Beispielsituationen. Hier finden Sie einen strukturierten Weg dazu.

Kurz gesagt: Üben Sie das Reizen am besten mit konkreten Beispielhänden: Bestimmen Sie zunächst Ihre Punktzahl und Verteilung, überlegen Sie sich das passende Gebot, und vergleichen Sie es danach mit der Musterlösung. Wiederholen Sie diesen Ablauf regelmäßig mit unterschiedlichen Handtypen, bis die Entscheidungen zur Gewohnheit werden.

Die Trainingsmethode

Nehmen Sie sich eine Beispielhand vor, bestimmen Sie zunächst mit dem Punkte-Rechner die Handstärke, überlegen Sie sich dann selbst ein Gebot, und vergleichen Sie es erst danach mit der Musterlösung. Dieser aktive Ablauf, erst selbst entscheiden, dann vergleichen, festigt das Gelernte deutlich besser als reines Lesen von Beispielen.

Beispiele: Eröffnung

Nicht jede Hand eröffnet man gleich. Diese drei Beispiele zeigen unterschiedliche Ausgangslagen: eine ausgeglichene Hand, eine unausgeglichene Hand und eine Grenzhand nach der Regel von 20.

Ausgeglichene Hand

Ihre Hand: Ass-Dame-9-4 in Pik, König-Bube-7 in Herz, Ass-5-2 in Karo, König-8-3 in Kreuz. Zählen Sie zunächst: Ass (4) plus Dame (2) in Pik, König (3) plus Bube (1) in Herz, Ass (4) in Karo, König (3) in Kreuz, macht 17 Punkte.

Musterlösung: Mit 17 Punkten und ausgeglichener Verteilung eröffnen Sie 1 Sans Atout, sofern Ihr System diese Punktespanne dafür vorsieht. Prüfen Sie dazu Ihre eigene Konventionskarte.

Unausgeglichene Hand

Ihre Hand: Ass-König-9-6-2 in Pik, Dame-Bube-8-4 in Herz, König-7-3 in Karo, 5 in Kreuz. Das sind 13 Punkte, aber mit nur einer Karte in Kreuz ist die Hand nicht ausgeglichen.

Musterlösung: Wegen des Singletons in Kreuz kommt Sans Atout hier nicht infrage, unabhängig von der Punktzahl. Sie eröffnen Ihre längste Farbe, hier 1 Pik mit fünf Karten.

Grenzhand nach der Regel von 20

Ihre Hand: Ass-Dame-9-6-4-2 in Pik, König-Bube-8-5-3 in Herz, 7 in Karo, 4 in Kreuz. Das sind nur 10 Punkte, dafür aber sechs Karten in Pik und fünf in Herz.

Musterlösung: Nach der Regel von 20 addieren Sie Ihre Punktzahl zur Länge der beiden längsten Farben: 10 plus 6 plus 5 ergibt 21. Damit eröffnen Sie trotz der niedrigen Punktzahl, hier mit 1 Pik, der längeren Farbe.

Beispiele: Antwort auf die Eröffnung

Als Antwortender müssen Sie sowohl auf eine Sans-Atout-Eröffnung als auch auf eine Farb-Eröffnung des Partners reagieren können. Diese drei Beispiele decken die häufigsten Fälle ab.

Antwort auf 1 Sans Atout mit Stayman

Ihr Partner eröffnet 1 Sans Atout. Ihre Hand: König-Bube-7-4 in Pik, Dame-9-8-3 in Herz, König-5-2 in Karo, 8-6 in Kreuz. Sie halten 9 Punkte und beide vierkartigen Oberfarben.

Musterlösung: Dies ist eine klassische Stayman-Hand. Sie reizen 2 Kreuz, um nach einer vierkartigen Oberfarbe beim Eröffner zu fragen. Mehr dazu im Ratgeber zur Stayman-Konvention.

Antwort auf 1 Sans Atout mit Jacoby-Transfer

Ihr Partner eröffnet 1 Sans Atout. Ihre Hand: König-Bube-9-7-4 in Herz, Dame-8-3 in Pik, 9-5-2 in Karo, 6-4 in Kreuz. Sie halten 6 Punkte und fünf Karten in Herz.

Musterlösung: Mit einer fünfkartigen Herzfarbe reizen Sie 2 Karo als Jacoby-Transfer. Der Eröffner ist damit verpflichtet, 2 Herz zu bieten, sodass die stärkere Hand im Blindspiel verdeckt bleibt. Mehr dazu im Ratgeber zu Jacoby Transfer.

Antwort auf eine Farb-Eröffnung

Ihr Partner eröffnet 1 Herz. Ihre Hand: König-8-6 in Herz, Dame-9-4 in Pik, König-7-3 in Karo, 9-5-4-2 in Kreuz. Sie halten 8 Punkte und eine dreikartige Unterstützung für Herz.

Musterlösung: Mit sechs bis neun Unterstützungspunkten und mindestens drei Karten in der Farbe des Partners reizen Sie einfach auf die Zweistufe, hier 2 Herz. Das zeigt begrenzte Kartenpunkte mit passender Unterstützung, ohne die Auktion zu weit zu treiben.

Beispiele: Wettbewerbsreizen

Sobald beide Partnerschaften mitbieten, ändern sich die Maßstäbe. Diese beiden Beispiele zeigen, wie Trumpflänge und Verteilung dann wichtiger werden als die reine Punktzahl.

Nach dem Gesetz der Gesamtstiche

Ihre Partnerschaft hat einen Herz-Fit mit neun gemeinsamen Karten gefunden, die Gegner bieten weiter Pik. Sie halten eine durchschnittliche Hand mit knapper Punktzahl.

Musterlösung: Nach dem Gesetz der Gesamtstiche rechtfertigt eine gemeinsame Trumpflänge von neun Karten meist ein Gebot bis zur Dreistufe, auch wenn die reine Punktzahl knapp erscheint.

Mit dem Aufforderungsdoppel

Ihr rechter Gegner eröffnet 1 Pik. Ihre Hand: 7-2 in Pik, Ass-Dame-9-3 in Herz, König-Bube-8-4 in Karo, König-9-5 in Kreuz. Sie halten 13 Punkte, aber nur zwei Karten in der gegnerischen Farbe.

Musterlösung: Mit Kartenpunkten, Kurzfarbe in der gegnerischen Farbe und brauchbarer Unterstützung in den drei übrigen Farben ist dies eine klassische Hand für ein Aufforderungsdoppel. Sie legen sich damit noch nicht auf eine einzige Farbe fest.

Beispiel: Schlemmentscheidung

Sie und Ihr Partner haben einen sicheren Pik-Fit gefunden und zusammen deutlich mehr als die üblichen 26 Punkte für ein Game. Ihre Hand: Ass-König-Dame-9-6 in Pik, Ass-8-4 in Herz, König-Dame-7 in Karo, 9-5 in Kreuz. Sie halten 18 Punkte.

Musterlösung: Mit einem gesicherten Trumpf-Fit und 18 Punkten reizen Sie 4 Sans Atout als Blackwood, um die Anzahl der Asse beim Partner zu erfragen, bevor Sie sich auf Kleinschlemm oder Großschlemm festlegen. Hält die Partnerschaft alle vier Asse, ist Großschlemm eine reelle Option. Mehr dazu im Ratgeber zur Blackwood-Konvention.

So machen sie regelmäßig weiter

Nehmen Sie sich für den Anfang eine feste Übungszeit pro Woche vor, etwa zehn bis fünfzehn Minuten mit ein paar Beispielhänden aus Ihrem Bridgekurs oder Verein. Besprechen Sie unklare Fälle mit Ihrem Partner oder in Ihrem Verein, das festigt gemeinsame Vereinbarungen zusätzlich.

Häufig gestellte Fragen

Wie übe ich das Reizen am effektivsten?

Nehmen Sie sich Beispielhände vor, bestimmen Sie selbst ein Gebot, bevor Sie die Musterlösung ansehen, und wiederholen Sie diesen Ablauf regelmäßig mit unterschiedlichen Handtypen.

Brauche ich einen Partner, um das Reizen zu üben?

Nicht zwingend für die Grundlagen. Einzelübungen mit Beispielhänden helfen bereits sehr, für realistische Auktionen ist Übung mit einem festen Partner aber unverzichtbar.

Wie oft sollte ich das Reizen üben?

Kurze, regelmäßige Einheiten von etwa zehn bis fünfzehn Minuten pro Woche bringen meist mehr als seltenes, dafür sehr langes Üben.

Wo finde ich weitere Übungshände?

Viele Bridgevereine und der Deutsche Bridge-Verband bieten Übungsmaterial an, zusätzlich zu den Beispielen in diesem Ratgeber und in den Übungsspielen dieser Seite.

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