Strategie · Verteidigung

Wie wählt man das richtige Anspiel beim Bridge?

Das erste Anspiel gegen einen gegnerischen Kontrakt entscheidet oft schon über den Ausgang der Hand. Ein paar einfache Grundregeln helfen dabei, in den meisten Situationen eine solide Wahl zu treffen.

Kurz gesagt: Wählen Sie beim Anspiel zunächst eine Farbe, in der Ihre Seite die besten eigenen Aussichten hat, meist eine lange Farbe Ihres Partners aus der Reizung oder eine eigene starke Sequenz. Gegen Sans Atout wird meist die längste Farbe angespielt, gegen einen Farbkontrakt oft vorsichtiger, um dem Alleinspieler keine Stiche zu schenken.

Die wichtigste Grundregel

Bevor Sie über die richtige Karte nachdenken, überlegen Sie sich die richtige Farbe. Die Reizung Ihres Partners und der Gegner gibt fast immer wichtige Hinweise: Eine Farbe, die Ihr Partner geboten hat, ist fast immer ein guter Kandidat, eine Farbe, die die Gegner stark gezeigt haben, meist ein schlechter.

Ohne jeden Hinweis aus der Reizung gilt als grober Ausgangspunkt: gegen Sans Atout eher lang und passiv anspielen, gegen einen Farbkontrakt eher auf eigene Stiche zusteuern, bevor der Alleinspieler seine Verlierer abtrumpfen kann.

Anspiel gegen Sans Atout

Gegen einen Sans-Atout-Kontrakt lohnt es sich meist, die eigene längste Farbe anzuspielen, selbst wenn sie nicht besonders stark ist. Der Grund: Ohne Trumpf kann der Alleinspieler eine lange Farbe der Verteidigung nicht abtrumpfen, sodass sich mit etwas Geduld am Ende zusätzliche Stiche in dieser Farbe ergeben.

Typische Anspiel-Faustregeln gegen Sans Atout

Lange Farbe
Meist die beste Wahl ohne weitere Hinweise aus der Reizung.
Partnerfarbe
Eine vom Partner gebotene Farbe hat meist Vorrang vor der eigenen.
Gegnerfarbe
Eine stark gebotene Gegnerfarbe besser meiden.

Anspiel gegen einen Farbkontrakt

Gegen einen Farbkontrakt ist Geduld weniger wert, weil der Alleinspieler seine Verlierer abtrumpfen kann, sobald er am Zug ist. Hier lohnt es sich häufiger, eine eigene starke Sequenz anzuspielen, etwa Dame-Bube-Zehn, die von sich aus Stiche verspricht, statt auf eine lange, aber schwache Farbe zu setzen.

Ein Anspiel aus einer einzelnen hohen Karte ohne Unterstützung, zum Beispiel ein einsames Ass, ist dagegen fast immer riskant, weil es dem Alleinspieler kostenlos Information über die Kartenverteilung schenkt.

Welche Karte aus der gewählten Farbe?

Sobald die Farbe feststeht, folgt die Kartenwahl einer weiteren einfachen Regel: aus einer Sequenz von Bildkarten wird die höchste Karte gespielt, etwa die Dame aus Dame-Bube-Zehn. Aus einer Farbe ohne Sequenz wird meist die vierthöchste Karte gespielt, damit der Partner über die restliche Verteilung Rückschlüsse ziehen kann.

Merkregel für Einsteiger: Hoch aus einer Sequenz, niedrig aus einer langen Farbe ohne Sequenz. Diese einfache Faustregel deckt bereits die meisten Anspielsituationen ab.

Was ist die Regel der Elf und wie wendet man sie an?

Wenn der Partner gegen einen Sans-Atout-Kontrakt die vierthöchste Karte anspielt, hilft die Regel der Elf dabei, die Hand des Alleinspielers besser einzuschätzen. Sie ziehen die angespielte Karte von 11 ab. Das Ergebnis zeigt, wie viele Karten, die höher sind als die angespielte Karte, sich in den drei anderen Händen befinden: im Blindspiel, in Ihrer eigenen Hand und beim Alleinspieler.

Ein Beispiel macht das deutlich. Der Partner spielt die 7 an. 11 minus 7 ergibt 4. Sie schauen sich das Blindspiel und Ihre eigene Hand an und zählen dort vier Karten, die höher sind als die 7. Das bedeutet: Der Alleinspieler hat keine einzige Karte in dieser Farbe, die höher ist als die 7. Sie wissen damit sofort, dass die 7 des Partners praktisch seine höchste Karte in dieser Farbe ist, und können Ihre Verteidigung entsprechend anpassen.

Die Regel der Elf funktioniert nur, wenn der Partner tatsächlich die vierthöchste Karte anspielt. Spielt Ihre Partnerschaft nach der Methode dritthöchste vor fünfthöchste, gilt stattdessen die Regel der Zwölf (11 minus angespielte Karte plus 1). Klären Sie solche Vereinbarungen am besten schon vor dem ersten Spiel mit Ihrem Partner. Mehr zum Informationsaustausch beim Verteidigen finden Sie in unserem Ratgeber zu Verteidigungssignalen.

Was sie beim Anspiel vermeiden sollten

Vermeiden Sie das Anspiel aus einer Farbe, in der Sie oder Ihr Partner selbst geboten haben, dass die Gegner dort stark sind. Vermeiden Sie außerdem, ein Ass ohne Begleitung anzuspielen, wenn keine dringende Notwendigkeit besteht, da dies fast nie einen zusätzlichen Stich bringt, aber viel Information preisgibt.

Wenn keine der Faustregeln eindeutig greift, ist ein neutrales Anspiel, etwa aus der längsten und sichersten Farbe des Blattes, fast immer die vernünftigere Wahl als ein riskantes Anspiel ohne klaren Grund. Wenn Ihnen die Grundlagen des Reizens und Kartenspiels noch unsicher vorkommen, lohnt sich zunächst ein Blick in unseren Bereich Bridge lernen, bevor Sie sich in die feineren Anspielregeln vertiefen.

Am besten festigen Sie diese Regeln am Tisch. Spielen Sie ein paar Hände auf einer der Online-Bridge-Plattformen und üben Sie dort bewusst die Regel der Elf bei jedem Anspiel Ihres Partners.

Häufig gestellte Fragen

Welche Farbe soll ich normalerweise anspielen?

Ohne besondere Hinweise aus der Reizung gilt gegen Sans Atout meist die eigene längste Farbe als gute Wahl, gegen einen Farbkontrakt eher eine eigene starke Sequenz.

Warum ist das Anspiel gegen Sans Atout anders als gegen einen Farbkontrakt?

Ohne Trumpf kann der Alleinspieler eine lange gegnerische Farbe nicht abtrumpfen, sodass sich Geduld auszahlt. Mit Trumpf kann er Verlierer schnell abtrumpfen, daher zählen aktive, stichbringende Anspiele mehr.

Welche Karte spiele ich aus einer Sequenz von Bildkarten an?

Die höchste Karte der Sequenz, zum Beispiel die Dame aus Dame-Bube-Zehn. Das zeigt dem Partner klar, dass eine Sequenz vorliegt.

Ist es riskant, ein einzelnes Ass anzuspielen?

Ja, meist schon. Ohne Begleitung bringt ein einsames Ass selten einen zusätzlichen Stich, verschenkt aber häufig Information über die eigene Hand.

Was ist die Regel der Elf beim Bridge?

Sie ziehen die angespielte Karte von 11 ab. Das Ergebnis zeigt, wie viele Karten, die höher sind als die angespielte Karte, sich in den drei anderen Händen befinden: im Blindspiel, bei Ihnen als Verteidiger und beim Alleinspieler. Mit Blick auf das Blindspiel und die eigene Hand lässt sich daraus oft genau errechnen, wie viele höhere Karten der Alleinspieler hält.

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