Konvention · Wettbewerbsreizen, grundlegend

Was ist ein Aufforderungsdoppel (Takeout-Doppel)?

Reizt der Gegner die Eröffnung, bedeutet Ihr Doppel nicht automatisch Bestrafung. Das Aufforderungsdoppel, auch Takeout-Doppel genannt, bittet den Partner stattdessen, die beste eigene Farbe zu wählen.

Kurz gesagt: Eröffnet der Gegner eine Farbe und Sie doppeln direkt danach, bedeutet das Doppel in den meisten Fällen kein Bestrafungswunsch, sondern eine Aufforderung an den Partner: Öffnungswerte, Kürze in der gegnerischen Farbe und Unterstützung für die übrigen Farben, besonders die unbotenen.

Was ein Aufforderungsdoppel ist

Eröffnet der Gegner eine Farbe und Sie halten eine Hand mit Öffnungswerten, aber ohne eine klare eigene lange Farbe, wäre ein natürliches Gebot oft ungenau. Das Aufforderungsdoppel, im Englischen als Takeout Double bekannt und auch unter diesem Namen in deutschen Quellen zu finden, löst dieses Problem: Es zeigt Öffnungswerte und bittet den Partner, die beste eigene Farbe zu wählen.

Diese Doppelart gehört zu den ältesten und am weitesten verbreiteten Konventionen im Bridge überhaupt und wird praktisch in jeder Partnerschaft gespielt, auch in solchen, die sonst kaum Konventionen einsetzen.

Welche Anforderungen stellt die Hand?

✓ Typische Aufforderungsdoppel-Hand

  • Öffnungswerte oder mehr, meist ab etwa 12 Punkten
  • Kurz in der gegnerischen Farbe, idealerweise nur ein oder zwei Karten
  • Unterstützung für die übrigen drei Farben, besonders die unbotenen

✗ Nicht geeignet, wenn

  • Sie selbst eine lange, starke eigene Farbe halten: reizen Sie diese direkt
  • Sie lang in der gegnerischen Farbe sind: hier kann ein Bestrafungsdoppel sinnvoller sein

Ein durchgerechnetes Beispiel

Hand nach 1 Karo des Gegners: 13 Punkte, kurz in Karo
AD84
K973
62
D75

Nach 1 Karo des Gegners ist diese Hand ein Lehrbuchbeispiel: 13 Punkte, nur zwei Karten Karo, gute Unterstützung für alle drei übrigen Farben. Ein Doppel beschreibt diese Hand in einem einzigen Gebot deutlich genauer, als es jedes natürliche Gebot könnte.

Wie antwortet der Partner?

Der Partner ist grundsätzlich verpflichtet, auf ein Aufforderungsdoppel zu reagieren, auch mit sehr wenigen Punkten, denn Passen würde bedeuten, dass die gegnerische Eröffnung auf niedriger Stufe bestraft werden soll, eine deutlich seltenere Situation. Normalerweise wählt der Partner die längste eigene Farbe unter den unbotenen und reizt sie auf einem Niveau, das der eigenen Stärke entspricht.

Aufforderungsdoppel oder Bestrafungsdoppel: wo liegt die Grenze?

Direkt nach der Eröffnung des Gegners, ohne dass zuvor jemand anderes gereizt hat, ist ein Doppel in den allermeisten Partnerschaften automatisch ein Aufforderungsdoppel. Erst auf höheren Stufen oder in bestimmten späteren Reizpositionen kann ein Doppel als Bestrafungsdoppel gelten. Diese Grenze sollte klar mit dem Partner abgesprochen und auf der Konventionskarte vermerkt werden.

Häufige Fehler beim Aufforderungsdoppel

  • Mit einer langen eigenen Farbe doppeln statt sie zu reizen. Mit einer klaren, langen Farbe ist ein direktes natürliches Gebot fast immer genauer als ein Doppel, das den Partner zwingt, eine Farbe zu raten.
  • Auf ein Aufforderungsdoppel passen. Der Partner muss fast immer antworten, selbst mit sehr wenigen Punkten. Passen bestraft die niedrige gegnerische Eröffnung, eine deutlich seltenere Absicht.
  • Ohne Öffnungswerte doppeln. Ein Aufforderungsdoppel unter etwa 12 Punkten bringt die Partnerschaft leicht zu hoch, weil der Partner von echter Stärke ausgeht.
  • Mit Länge in der gegnerischen Farbe doppeln. Halten Sie selbst viele Karten in der Eröffnungsfarbe des Gegners, ist ein Bestrafungsdoppel oft treffender als die Aufforderung an den Partner.

Häufig gestellte Fragen

Muss der Partner auf ein Aufforderungsdoppel immer antworten?

Ja, fast immer, selbst mit sehr wenigen Punkten. Passen würde bedeuten, dass die niedrige gegnerische Eröffnung bestraft werden soll, was deutlich seltener zutrifft als eine normale Farbwahl.

Wie viele Punkte braucht man für ein Aufforderungsdoppel?

In der Regel Öffnungswerte, also etwa 12 Punkte oder mehr, kombiniert mit Kürze in der gegnerischen Farbe und Unterstützung für die übrigen drei Farben.

Was ist der Unterschied zwischen Aufforderungsdoppel und Bestrafungsdoppel?

Ein Aufforderungsdoppel bittet den Partner, eine Farbe zu wählen, ein Bestrafungsdoppel dagegen zeigt starke Trumpfkarten in der gegnerischen Farbe und will den Kontrakt der Gegner scheitern lassen. Direkt nach der Eröffnung gilt fast immer die Aufforderungsvariante.

Kann man auch mit einer eigenen langen Farbe doppeln?

Selten sinnvoll. Mit einer klaren eigenen Farbe ist ein direktes natürliches Gebot meist genauer als ein Doppel, das den Partner zur Farbwahl zwingt.

Was ist der Unterschied zwischen Aufforderungsdoppel und Negativdoppel?

Das Aufforderungsdoppel kommt direkt nach der gegnerischen Eröffnung, bevor der eigene Partner gereizt hat. Das Negativdoppel kommt, nachdem der eigene Partner bereits eröffnet hat und der Gegner danach dazwischenreizt.

Ist das Aufforderungsdoppel für Einsteiger geeignet?

Ja, es gehört zu den ersten und wichtigsten Konventionen überhaupt, da es in fast jeder Sitzung mehrfach vorkommt und Einsteigern hilft, im Wettbewerb nicht passen zu müssen.

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