Konvention · Schlemmuntersuchung nach Sans Atout

Was ist die Gerber-Konvention beim Bridge?

Nach einer Sans-Atout-Eröffnung wäre 4 Sans Atout selbst schon ein Gebot zum Kontrakt, nicht zur Assfrage. Gerber löst das Problem mit 4 Kreuz als künstlicher Assfrage direkt über Sans Atout.

Kurz gesagt: Gerber ist die Assfrage 4 Kreuz, eingesetzt direkt nach einer Sans-Atout-Eröffnung oder einem Sans-Atout-Rebid. Die Antworten lauten 4 Karo (0 oder 4 Asse), 4 Herz (1 Ass), 4 Pik (2 Asse) und 4 Sans Atout (3 Asse).

Was Gerber ist und wann man es Einsetzt

Nach einer 1-Sans-Atout- oder 2-Sans-Atout-Eröffnung ist 4 Sans Atout naheliegend als Sprung zum Kontrakt gedacht, nicht als Assfrage. Blackwood würde hier also missverstanden. Die Gerber-Konvention löst dieses Problem: 4 Kreuz übernimmt die Rolle der Assfrage, direkt über Sans Atout gereizt.

Benannt ist die Konvention nach John Gerber, der sie in den 1930er-Jahren entwickelte. Sie wird ausschließlich unmittelbar nach einem Sans-Atout-Gebot des Partners eingesetzt, in jedem anderen Zusammenhang bleibt 4 Kreuz ein natürliches Gebot.

Die Antworten auf 4 Kreuz

Gerber-Antworten

4 ♦
0 oder 4 Asse.
4 ♥
1 Ass.
4 ♠
2 Asse.
4 SA
3 Asse.

Das Muster entspricht genau Blackwood, nur eine Stufe tiefer und beginnend mit Kreuz statt Sans Atout. Wer Blackwood bereits sicher beherrscht, lernt Gerber in wenigen Minuten dazu.

Gerber gegen Blackwood: wann nutzt man was?

Blackwood (4 Sans Atout)

Wird eingesetzt, wenn bereits eine Trumpffarbe vereinbart ist und 4 Sans Atout selbst kein natürliches Gebot zum Kontrakt wäre.

Gerber (4 Kreuz)

Wird eingesetzt direkt nach einer Sans-Atout-Eröffnung oder einem Sans-Atout-Rebid, wenn 4 Sans Atout stattdessen als Sprung zum Kontrakt verstanden würde.

Faustregel: Gerber gehört ausschließlich direkt über ein Sans-Atout-Gebot des Partners. In jeder anderen Situation ist die Assfrage Blackwood mit 4 Sans Atout.

Ein durchgerechnetes Beispiel

Beispielauktion:
West
Nord
Ost
Süd
1 SA
Pass
4 ♣
Pass
4 ♦
Pass
6 SA
Pass
West eröffnet 1 Sans Atout. Ost reizt 4 Kreuz (Gerber). West zeigt mit 4 Karo entweder 0 oder 4 Asse, was Ost aus der eigenen Handzählung als 4 Asse erkennt. Ost reizt direkt den kleinen Schlemm in Sans Atout.

Ein zweites Beispiel: auf den Schlemm verzichten

Gerber soll nicht nur zum Schlemm führen, sondern genauso zuverlässig davor bewahren, wenn zu viele Asse fehlen. Das folgende Beispiel zeigt genau diesen Fall.

Beispielauktion:
West
Nord
Ost
Süd
2 SA
Pass
4 ♣
Pass
4 ♥
Pass
4 SA
Pass
West eröffnet 2 Sans Atout mit 20 bis 21 Punkten. Ost hält selbst 12 Punkte, aber kein einziges Ass, und reizt trotzdem 4 Kreuz, um Klarheit über die Asse der Partnerschaft zu bekommen. West antwortet 4 Herz: ein Ass. Da Ost selbst keines hält, fehlen der Partnerschaft insgesamt drei Asse, deutlich zu viele für einen sicheren Schlemm. Ost reizt deshalb nur 4 Sans Atout und bleibt im Spielkontrakt.

Genau dafür ist die Assfrage da: Ohne Gerber hätte Ost blind auf 6 Sans Atout reizen können, ein Kontrakt, der an den fehlenden Assen scheitert, bevor der erste Stich überhaupt gespielt ist.

Wann Gerber sinnvoll ist, und wann nicht

✓ Gerber einsetzen, wenn

  • Der Partner eine natürliche Sans-Atout-Eröffnung oder ein Rebid gemacht hat
  • Ihre Hand Schlemmwerte hat und Sie die Asse zählen müssen
  • Sans Atout der wahrscheinliche Endkontrakt ist

✗ Gerber vermeiden, wenn

  • Bereits eine Trumpffarbe vereinbart ist: nutzen Sie stattdessen Blackwood
  • Ihre Hand nur Spielwerte hat, keine Schlemmambitionen
  • Die Partnerschaft nicht klar vereinbart hat, dass Gerber in dieser Auktion gilt
Praktischer Hinweis: Gerber ist ein Sprunggebot, das Einsteiger leicht verwirrt. Legen Sie mit Ihrem Partner klar fest, über welche Sans-Atout-Gebote es gilt. Viele Partnerschaften spielen es nur direkt über einer 1- oder 2-Sans-Atout-Eröffnung und sonst nirgends. Notieren Sie diese Absprache auf Ihrer Konventionskarte.

Häufige Fehler bei Gerber

  • Jedes 4-Kreuz-Gebot als Gerber werten. Nach einer Farbauktion ist 4 Kreuz natürlich oder ein Splinter. Gerber ist ausschließlich der direkte Sprung über Sans Atout.
  • Fragen, obwohl nur Spielwerte vorhanden sind. Ohne Schlemmambitionen verrät die Assfrage den Gegnern nur unnötig Informationen.
  • Die Antwortleiter verwechseln. Die erste Stufe (4 Karo) zeigt 0 oder 4 Asse, nicht eins. Wer das übersieht, reizt schnell den falschen Kontrakt.
  • Gerber nach einer vereinbarten Trumpffarbe einsetzen. Sobald eine Farbe feststeht, gehört die Assfrage Blackwood, nicht mehr Gerber.

Häufig gestellte Fragen

Wann setzt man Gerber statt Blackwood ein?

Gerber setzt man direkt nach einer Sans-Atout-Eröffnung oder einem Sans-Atout-Rebid ein, weil 4 Sans Atout dort selbst als Sprung zum Kontrakt gelten würde. In allen anderen Situationen, in denen bereits eine Trumpffarbe vereinbart ist, verwendet man Blackwood.

Ist 4 Kreuz immer Gerber?

Nein. 4 Kreuz ist nur dann Gerber, wenn es direkt über ein Sans-Atout-Gebot des Partners gereizt wird. In jedem anderen Zusammenhang bleibt es ein natürliches Kreuzgebot.

Wie unterscheiden sich die Antworten von Gerber und Blackwood?

Beide folgen demselben Muster (0 oder 4, 1, 2, 3 Asse), nur beginnt Gerber eine Stufe tiefer bei 4 Karo statt bei 5 Kreuz.

Muss man Gerber vor dem Spiel vereinbaren?

Ja, wie jede Konvention muss Gerber ausdrücklich mit dem Partner abgesprochen und auf der Konventionskarte vermerkt werden, da 4 Kreuz sonst natürlich verstanden werden könnte.

Fragt Gerber auch nach Königen?

Manche Partnerschaften vereinbaren eine Königsfrage nach Gerber, meist durch ein weiteres künstliches Gebot eine Stufe höher, das ist aber seltener genutzt als die Königsfrage bei Standard-Blackwood.

Ist Gerber für Einsteiger sinnvoll?

Ja, sobald Blackwood sicher sitzt, ist Gerber eine sehr kleine Ergänzung, die genau die Lücke schließt, in der Blackwood nicht funktioniert, nämlich direkt nach einer Sans-Atout-Eröffnung.

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