Strategie · Kartenspiel

Wie zählt man Karten beim Bridge?

Karten zählen klingt nach einer Fähigkeit für Profis, ist aber vor allem eine Gewohnheit: Sie merken sich, wie viele Karten einer Farbe bereits gespielt wurden, um am Ende genau zu wissen, wer welche Karten noch hält.

Kurz gesagt: Karten zählen bedeutet, sich während des Spiels zu merken, wie viele Karten jeder Farbe bereits gespielt wurden, damit Sie am Ende der Hand genau wissen, welche Karten die Gegner noch halten. Es hat nichts mit dem Zählen von Punkten beim Kartenspielen wie Black Jack zu tun, sondern ist reine Beobachtung der eigenen Bridgehand.

Was Karten zählen bedeutet

Jede Bridgefarbe hat genau 13 Karten. Wenn Sie wissen, wie viele davon bereits gespielt wurden und welche Karten Sie selbst und der Blindmann halten, lässt sich mit einfacher Rechnung ableiten, wie viele Karten dieser Farbe noch bei den beiden Gegnern liegen, und oft sogar, wie sie zwischen den beiden verteilt sind.

Das ist keine Zauberei und erfordert kein fotografisches Gedächtnis. Es ist eine Gewohnheit, die mit etwas Übung fast automatisch abläuft, ähnlich wie ein erfahrener Autofahrer den Verkehr im Rückspiegel beobachtet, ohne bewusst darüber nachzudenken.

Die einfache Methode für Einsteiger

Beginnen Sie nicht damit, alle vier Farben gleichzeitig zu zählen. Das überfordert fast jeden Spieler am Anfang und führt dazu, dass die Methode wieder aufgegeben wird. Konzentrieren Sie sich stattdessen zunächst nur auf die Trumpffarbe.

Trumpf zählen in drei Schritten

Schritt 1
Zählen Sie zu Beginn, wie viele Trumpfkarten Sie und der Blindmann zusammen halten.
Schritt 2
Ziehen Sie diese Zahl von 13 ab, das ist die Anzahl der Trumpfkarten bei den Gegnern.
Schritt 3
Zählen Sie mit, wie viele Trumpfkarten in jedem Stich fallen, bis keine mehr übrig sind.

Erst wenn das Trumpfzählen zur Routine geworden ist, lohnt es sich, eine zweite Farbe hinzuzunehmen, meist die längste Nebenfarbe der Hand.

Ein Beispiel aus der Praxis

Sie und der Blindmann halten zusammen acht Herz als Trumpf. Bei den Gegnern liegen also fünf. Im ersten Stich fallen zwei Herz von den Gegnern, im zweiten Stich zwei weitere. Das macht vier von fünf, also liegt noch genau eine Trumpfkarte bei einem der beiden Gegner. Sobald Sie diese letzte Karte gezogen haben, wissen Sie mit Sicherheit, dass keine Trumpfkarte mehr im Spiel ist, und können den Rest der Hand entsprechend planen.

Dieses einfache Prinzip, immer von 13 ausgehend rückwärts zu rechnen, lässt sich später auf jede beliebige Farbe übertragen, nicht nur auf Trumpf.

So üben sie Schritt für Schritt

Nehmen Sie sich für die ersten Wochen nur ein Ziel vor: die Trumpffarbe bei jeder Hand mitzuzählen, unabhängig davon, ob Sie Alleinspieler oder Verteidiger sind. Sagen Sie sich nach jedem Stich leise die verbleibende Anzahl vor, das festigt die Gewohnheit schneller als reines Zusehen.

Nach ein bis zwei Monaten regelmäßigen Spielens fällt vielen Spielern auf, dass sie die Trumpfzahl inzwischen automatisch im Kopf behalten, ohne bewusst nachzurechnen. Erst dann lohnt es sich, eine zweite Farbe hinzuzunehmen.

Was ist die Regel der Elf?

Die Regel der Elf ist ein kleiner Rechentrick, der auf demselben Grundprinzip wie das Kartenzählen beruht: Zählen Sie, was Sie sehen können, und schließen Sie daraus auf das, was Sie nicht sehen. Sie greift, wenn der Partner gegen Sans Atout die vierthöchste Karte einer Farbe anspielt. Ziehen Sie die angespielte Karte von elf ab. Das Ergebnis ist die Anzahl der Karten, die höher sind als die angespielte Karte und sich in den drei übrigen Händen befinden, also im Blindspiel, bei Ihnen selbst und beim Alleinspieler.

Ein Beispiel: Der Partner spielt die Herz-7 an. Elf minus sieben ergibt vier. Im Blindspiel liegen König und Neun, das sind zwei höhere Karten. Sie selbst halten Bube und Zehn, zwei weitere höhere Karten. Zusammen sind das bereits alle vier. Der Alleinspieler hat also keine einzige Karte, die höher ist als die 7. Sie können in dieser Farbe bedenkenlos niedrig zugeben, denn die Farbe steckt fest in der Hand Ihres Partners.

Diese Rechnung dauert nach etwas Übung nur wenige Sekunden und nimmt Ihnen einen ganzen Bereich des Ratens ab. Kombiniert mit dem Trumpfzählen aus dem vorherigen Abschnitt wirken Ihre Verteidigungsentscheidungen schnell deutlich sicherer.

Wie sieht Karten zählen auf den verschiedenen Spielstärken aus?

SpielstärkeZuerst zählenDanach hinzunehmenZiel
AnfängerVerbleibende Trumpfkarten pro RundeEine NebenfarbeWissen, wie viele Trumpf der Alleinspieler noch hält
FortgeschrittenTrumpf plus beide angespielten FarbenRegel der Elf beim Anspiel anwendenVerteilung des Alleinspielers nach fünf Stichen kennen
ErfahrenVollständige Handrekonstruktion aus der ReizungAlle vier Farben durchgehend zählenVerteilung des Alleinspielers bis Stich 8 kennen
ExperteSqueeze- und Endspiel-ErkennungBereits gespielte Hochkartenpunkte zählenJede fehlende Ehrenkarte vor dem Spielen orten

Die meisten regelmäßigen Clubspieler befinden sich auf der Stufe Fortgeschritten. Der Weg zur nächsten Stufe führt über bewusste Übung: Besprechen Sie nach jeder Sitzung ein paar Hände noch einmal und fragen Sie sich, was Sie über die unsichtbaren Hände wussten und ab welchem Zeitpunkt. Unser Ratgeber zu Gedächtnistechniken beschreibt die mentalen Gewohnheiten, die dieses Zählen unterstützen.

Wofür es sich wirklich lohnt

Wer die Verteilung einer Farbe genau kennt, trifft bessere Entscheidungen bei Finessen, weiß, wann ein Gegner eine Farbe nicht mehr bedienen kann, und erkennt frühzeitig, welche Stiche noch sicher zu gewinnen sind. Karten zählen ist damit kein Selbstzweck, sondern die Grundlage für praktisch jede fortgeschrittene Entscheidung am Tisch.

Wenn Ihnen die Grundregeln des Bridgespiels selbst noch nicht ganz sitzen, lohnt sich zuerst ein Blick in unseren Bereich Bridge lernen. Karten zählen baut auf diesen Grundlagen auf und wird deutlich leichter, wenn Reizung und Kartenspiel schon vertraut sind.

Für Spieler, die neu einsteigen: Erwarten Sie nicht, von Anfang an alle vier Farben im Kopf zu behalten. Selbst erfahrene Clubspieler konzentrieren sich meist auf ein bis zwei Farben pro Hand. Konsequenz schlägt hier Perfektion. Üben Sie diese Gewohnheit am besten regelmäßig auf einer der Online-Bridge-Plattformen, wo sich jede Hand in Ruhe nachbesprechen lässt.

Häufig gestellte Fragen

Ist Karten zählen beim Bridge dasselbe wie beim Black Jack?

Nein. Beim Bridge geht es darum, sich die Verteilung der eigenen Bridgehand zu merken, nicht um Wahrscheinlichkeiten aus einem Kartenstapel wie bei Glücksspielen.

Wie lange dauert es, Karten zählen zu lernen?

Die Grundlagen, insbesondere das Zählen der Trumpffarbe, lassen sich innerhalb weniger Wochen regelmäßigen Spielens zur Gewohnheit machen.

Muss ich alle vier Farben gleichzeitig zählen?

Nicht am Anfang. Die meisten Spieler beginnen mit der Trumpffarbe und nehmen erst später eine zweite Farbe dazu, meist die längste Nebenfarbe.

Warum ist Karten zählen für die Verteidigung genauso wichtig wie für den Alleinspieler?

Auch als Verteidiger hilft die Kenntnis der Verteilung, das richtige Signal zu geben und zu erkennen, wann eine Farbe für den Partner sicher weiterzuspielen ist.

Was ist die Regel der Elf und wie hängt sie mit Karten zählen zusammen?

Die Regel der Elf gilt, wenn der Partner die vierthöchste Karte einer Farbe anspielt. Sie ziehen die angespielte Karte von elf ab, das Ergebnis ist die Anzahl der höheren Karten in den drei übrigen Händen. Mit Blick auf Ihre eigene Hand und den Blindmann können Sie daraus oft genau errechnen, wie viele höhere Karten der Alleinspieler noch hält.

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