Wie funktioniert ein Jacoby Transfer im Detail?
Nach 1 Sans Atout zeigen Sie Ihre fünfkartige Oberfarbe nicht direkt, sondern lassen den Partner sie für Sie reizen. Der Jacoby Transfer hält die starke Hand verdeckt und macht die Auktion für die Gegner schwerer zu lesen.
Kurz gesagt: Nach einer 1-Sans-Atout-Eröffnung zeigt 2 Karo fünf oder mehr Herz und verlangt vom Eröffner, 2 Herz zu reizen. 2 Herz zeigt genauso fünf oder mehr Pik und verlangt 2 Pik vom Eröffner. Der Eröffner muss die verlangte Farbe reizen, unabhängig von der eigenen Hand.
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Was ein Jacoby Transfer ist
Nach einer 1-Sans-Atout-Eröffnung möchten Sie mit einer fünfkartigen Oberfarbe eigentlich einfach diese Farbe reizen. Der Jacoby Transfer macht daraus ein indirektes Gebot: Statt die eigene Farbe zu nennen, reizen Sie die Farbe darunter und bitten den Partner, eine Stufe höher zu gehen.
Benannt ist die Konvention nach Oswald Jacoby, der sie in den 1950er-Jahren veröffentlichte. Heute spielt praktisch jede Partnerschaft, die auch Stayman spielt, automatisch Transfers dazu, beide Konventionen ergänzen sich nach einer Sans-Atout-Eröffnung.
Wenn Sie sich beim Ablauf einer Eröffnung von 1 Sans Atout noch unsicher sind, lohnt sich vorher ein Blick in unseren Ratgeber Antwort auf 1 Sans Atout, dort wird der Transfer im Gesamtzusammenhang der Antwortmöglichkeiten eingeordnet.
Die Mechanik: 2 Karo und 2 Herz
Transfers nach 1 Sans Atout
Der entscheidende Punkt: Der Eröffner reizt die verlangte Farbe immer, egal wie seine eigene Hand aussieht. Das Transfergebot ist eine Anweisung, keine Einladung. Erst nach dem Transfer entscheidet der Antworter, wie es weitergeht: passen, einladen oder direkt zum Spiel gehen.
Warum Transfers besser sind als direktes reizen
Transfers verbessern das Reizen auf drei wichtige Arten:
Die starke Hand wird Alleinspieler
Der 1-Sans-Atout-Eröffner mit den meisten Punkten spielt den Kontrakt, nicht der Antworter. Der erste Ausspiel der Gegner trifft dadurch die schwächere, offene Hand statt der starken.
Die Gegner sehen weniger
Da der Eröffner die Farbe reizt, wissen die Gegner erst spät, wer welche Karten hält. Das erschwert ihnen die eigene Verständigung.
Die Auktion bleibt kontrolliert
Der Antworter kann nach dem Transfer noch genauer beschreiben: passen mit einer schwachen Hand, einladen mit mittlerer Stärke oder direkt zum Spiel springen.
Ein durchgerechnetes Beispiel
Der Partner eröffnet 1 Sans Atout. Sie halten folgende Hand:
Fünf Pik und 11 Punkte: eine klare Transferhand mit Spielstärke. Sie reizen 2 Herz (Transfer zu Pik). Der Eröffner reizt pflichtgemäß 2 Pik. Mit genug Punkten für Spiel springen Sie direkt zu 4 Pik. Der Eröffner bleibt Alleinspieler, obwohl die Pikfarbe bei Ihnen liegt, und die Gegner müssen gegen die verdeckte, stärkere Hand ausspielen.
Was sind Super-Accepts?
Ein Super-Accept ist eine Ausnahme von der Pflicht, die Transferfarbe zu reizen. Hält der Eröffner selbst vier Karten in der verlangten Farbe und ein Maximum für seine 1-Sans-Atout-Eröffnung, kann er direkt auf die Dreierstufe springen, statt nur die Zweierstufe zu reizen. Das zeigt sofort besondere Unterstützung und hilft dem Antworter, die Gesamtstärke der Hand genauer einzuschätzen. Diese Vereinbarung sollte auf der Konventionskarte vermerkt sein, da sie über die Grundregel hinausgeht.
Wann sie transferieren, und wann Stayman besser ist
✓ Transfer einsetzen, wenn
- Sie eine fünfkartige oder längere Oberfarbe halten
- Sie die starke Hand verdeckt halten wollen
- Sie mit jeder Punktzahl reizen können, auch mit sehr wenig
✗ Stattdessen Stayman nutzen, wenn
- Sie nur eine vierkartige Oberfarbe halten: siehe Stayman
- Sie beide Oberfarben vierkartig halten und zuerst fragen wollen
Häufige Fehler beim Jacoby Transfer
- Mit nur vier Karten transferieren. Der Transfer verspricht fünf oder mehr Karten in der Oberfarbe. Mit nur vier Karten ist Stayman das richtige Werkzeug, nicht der Transfer.
- Nach dem Transfer die eigene Farbe selbst reizen wollen. Der ganze Sinn des Transfers ist, dass der Eröffner Alleinspieler wird. Reizt der Antworter die Farbe später doch noch selbst, geht dieser Vorteil verloren.
- Vergessen, dass der Eröffner die Farbe reizen muss. Auch mit einer schwachen eigenen Hand darf der Eröffner die verlangte Farbe nicht überspringen oder ablehnen, außer bei einem vorher vereinbarten Super-Accept.
- Einen Super-Accept ohne Absprache reizen. Der Sprung auf die Dreierstufe mit vier Karten Unterstützung funktioniert nur, wenn beide Partner diese Vereinbarung kennen. Ohne Absprache verwirrt er den Partner mehr, als er hilft.
Häufig gestellte Fragen
Muss der Eröffner die Transferfarbe immer reizen?
Ja, außer bei einem vereinbarten Super-Accept mit vier Karten Unterstützung und einem Maximum. Ansonsten ist der Transfer eine Anweisung, keine Einladung, und der Eröffner reizt die verlangte Farbe unabhängig von der eigenen Hand.
Wie viele Punkte braucht man für einen Transfer?
Beliebig viele, sogar null. Der Transfer selbst zeigt nur die Farblänge. Die Stärke der Hand wird erst im nächsten Gebot des Antworters offenbart, zum Beispiel durch Passen, eine Einladung oder einen Sprung zum Spiel.
Warum ist ein Transfer besser als die Farbe direkt zu reizen?
Weil dadurch der stärkere 1-Sans-Atout-Eröffner Alleinspieler wird statt des Antworters. Das schützt die starke Hand vor dem ersten gegnerischen Ausspiel und hält Informationen vor den Gegnern länger verborgen.
Was ist ein Super-Accept?
Ein Sprung des Eröffners auf die Dreierstufe statt der normalen Zweierstufe, wenn er selbst vier Karten in der verlangten Farbe und ein Maximum hält. Das zeigt sofort zusätzliche Unterstützung.
Gibt es auch Transfers zu den Nebenfarben?
Ja, manche Partnerschaften vereinbaren zusätzliche Transfers zu Kreuz und Karo, meist über 2 Pik oder ähnliche Gebote. Das ist eine Erweiterung, die über den Grundtransfer hinausgeht und vorher abgesprochen werden muss.
Was reizt man nach dem Transfer mit einer schwachen Hand?
Man passt einfach die Antwort des Eröffners. Mit fünf Karten in der Oberfarbe und wenig Punkten ist das Farbspiel auf der Zweierstufe fast immer sicherer als eine flache 1-Sans-Atout, selbst ohne jede weitere Aktion.