Strategie · Verbesserung

Welche fortgeschrittenen Bridge-Strategien gibt es?

Jenseits von Finesse und Karten zählen gibt es eine Reihe von Techniken, die erfahrene Spieler von Clubspielern unterscheiden. Dieser Ratgeber gibt einen ersten Überblick.

Kurz gesagt: Zu den bekanntesten fortgeschrittenen Bridge-Techniken gehören der Squeeze (ein Gegner wird gezwungen, eine wichtige Karte abzuwerfen), das Endspiel (der Gegner wird gezwungen, eine ungünstige Farbe anzuspielen) und ein systematischeres Wahrscheinlichkeitsdenken bei der Kartenverteilung. Diese Techniken bauen auf sicherem Karten zählen und einem soliden Spielplan auf.

Der Squeeze

Ein Squeeze zwingt einen Gegner in eine Situation, in der er zwei Farben gleichzeitig schützen muss, aber nicht genug Karten dafür hat. Irgendwann muss er eine Karte abwerfen, die einer dieser Farben schadet, und Sie gewinnen dadurch einen zusätzlichen Stich, den Sie sonst nicht bekommen hätten.

Squeezes wirken auf den ersten Blick kompliziert, folgen aber meist einem erkennbaren Muster: Sie spielen Ihre restlichen sicheren Stiche aus, bis der Gegner keine unschädliche Karte mehr zum Abwerfen hat.

Ein Schritt wird dabei oft vergessen: die Zählung korrigieren, im Englischen "rectify the count" genannt. Das bedeutet, die Stiche, die Sie sich ohnehin leisten können zu verlieren, schon früh herzugeben, bevor Sie Ihre Gewinner ausspielen. Erst dadurch sind Sie am Ende genau einen Stich zu kurz, und der Gegner hat keine überzählige Karte mehr zum Abwerfen. Ein Squeeze scheitert in der Praxis meist genau daran, dass dieser Schritt übersprungen wird.

Das Endspiel

Beim Endspiel, im Englischen manchmal Endplay genannt, bringen Sie einen Gegner dazu, am Zug zu sein, obwohl er keine sichere Karte mehr zum Anspielen hat. Jede seiner verbleibenden Karten hilft Ihnen dann automatisch, entweder durch einen Freistich oder durch ein Anspiel in eine Farbe, die Sie sonst selbst hätten riskieren müssen.

Gemeinsamer Nenner: Sowohl Squeeze als auch Endspiel funktionieren, indem Sie dem Gegner die Wahlmöglichkeiten nehmen, nicht indem Sie selbst mehr Karten oder mehr Glück haben.

Was bedeuten Restricted Choice und täuschendes Spiel?

Restricted Choice

Wirft ein Verteidiger eine Ehrenkarte aus zwei benachbarten Ehrenkarten ab, etwa die Dame aus Dame-Bube, hatte er dabei keine wirkliche Wahl: Mit beiden Karten in der Hand hätte er ebenso gut die andere spielen können. Deshalb liegt die verbleibende Ehrenkarte, hier der Bube, wahrscheinlicher beim Partner. Fällt die Dame, ist die erneute Finesse gegen den Buben in der nächsten Runde rechnerisch die bessere Wahl.

Täuschendes Spiel

Sie sehen als Alleinspieler alle Ihre eigenen Karten und die des Blindmanns, die Verteidiger sehen jeweils nur ihre eigene Hand. Spielen Sie bewusst eine unerwartete Karte, gewinnen Sie einen Stich aus der überraschenden Hand, oder spielen Sie genau die Karte, die man ohnehin von Ihnen erwartet, um die Verteidigung in die falsche Richtung zu lenken. Die beste Täuschung kostet Sie nichts, falls sie nicht aufgeht.

Wahrscheinlichkeitsdenken

Fortgeschrittene Spieler denken systematischer in Wahrscheinlichkeiten: Wie ist eine fehlende Farbe wahrscheinlich verteilt, wenn ein Gegner bereits eine bestimmte Anzahl Karten in einer anderen Farbe gezeigt hat? Diese Überlegungen bauen direkt auf sicherem Karten zählen auf und lassen sich mit der Zeit fast automatisch abrufen.

Was sie vorher beherrschen sollten

Diese Techniken lohnen sich erst, wenn Karten zählen und ein solider Spielplan bereits zur Gewohnheit geworden sind. Ohne diese Grundlage bleiben Squeeze und Endspiel abstrakte Theorie, mit dieser Grundlage ergeben sie sich oft fast natürlich aus der Handanalyse.

Wie sie diese Techniken weiter vertiefen

Der beste Weg, fortgeschrittene Techniken zu lernen, ist, sich nach einer Sitzung interessante Hände gemeinsam mit dem Partner oder einem erfahreneren Spieler anzusehen. Viele Vereine und der Deutsche Bridge-Verband bieten außerdem spezielle Fortgeschrittenenkurse an, die genau auf diesem Niveau ansetzen. Wenn Ihnen einzelne Grundbegriffe noch nicht ganz vertraut sind, hilft ein Blick zurück in unseren Bereich Bridge lernen. Zum Üben eignen sich auch die Online-Bridge-Plattformen, auf denen sich Squeeze- und Endspielsituationen in Ruhe nachspielen lassen.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Squeeze beim Bridge einfach erklärt?

Ein Squeeze zwingt einen Gegner, zwei Farben gleichzeitig zu schützen, obwohl er nicht genug Karten dafür hat, sodass er irgendwann eine Karte abwerfen muss, die Ihnen einen zusätzlichen Stich schenkt.

Was unterscheidet ein Endspiel von einem Squeeze?

Beim Endspiel wird der Gegner gezwungen, an einem für ihn ungünstigen Zeitpunkt anzuspielen, während beim Squeeze der Gegner gezwungen wird, eine schützende Karte abzuwerfen.

Muss ich Karten zählen können, bevor ich diese Techniken lerne?

Ja, sicheres Karten zählen ist die Grundlage für praktisch jede fortgeschrittene Technik in diesem Ratgeber.

Wo kann ich fortgeschrittene Bridge-Techniken vertiefen lernen?

Viele Bridgevereine und der Deutsche Bridge-Verband bieten Fortgeschrittenenkurse an, die gezielt auf Squeeze, Endspiel und Wahrscheinlichkeitsdenken eingehen.

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