Bridge Fakten · Daten & Hintergrund

Wie viele Menschen spielen Bridge? Zahlen und Fakten für Deutschland, Österreich und die Schweiz

Bridge gehört zu den meistgespielten Kartenspielen der Welt, doch die genaue Spielerzahl lässt sich überraschend schwer bestimmen. Diese Seite fasst die verlässlichsten verfügbaren Daten zusammen: von der weltweiten Bridgepopulation über die Mitgliederzahlen des Deutschen Bridge-Verbands bis zu den wichtigsten Wahrscheinlichkeiten am Spieltisch.

Von James Harrington··9 Minuten Lesezeit

Kurz gesagt: Schätzungen legen die weltweite Bridgepopulation auf 60 bis 100 Millionen Menschen. Der Deutsche Bridge-Verband zählt rund 29.000 Mitglieder in etwa 500 Vereinen. Die European Bridge League vertritt Spieler in 46 Ländern. Bridge Base Online, die größte Online-Plattform, hat weltweit mehrere Millionen Konten registriert.

Zu diesen Zahlen: Bridge ist eines der schwerer zu zählenden Spiele, weil ein großer Teil der Spieler nie einem Verein beitritt. Rubberbridge am heimischen Tisch, gelegentliche Partien im Freundeskreis und informelle Spielrunden erscheinen in keiner Statistik. Die Zahlen auf dieser Seite stammen aus den besten verfügbaren Quellen offizieller Organisationen; die tatsächliche Spielerzahl liegt mit hoher Wahrscheinlichkeit deutlich höher.

Wie viele Menschen spielen weltweit Bridge?

Die World Bridge Federation (WBF), der internationale Dachverband des Spiels, schätzt die weltweite Bridgepopulation auf etwa 60 bis 100 Millionen Menschen. Diese Spanne zeigt, wie schwer es ist, informelle Heimspieler neben registrierten Vereinsmitgliedern zu erfassen.

Unbestritten ist, dass Bridge auf jedem bewohnten Kontinent gespielt wird, mit organisierten Verbänden in über 120 Ländern, die der WBF angeschlossen sind. Kein anderes Kartenspiel außer Poker erreicht eine annähernd vergleichbare Größenordnung an formellem internationalem Wettbewerb, mit Weltmeisterschaften, Kontinentalmeisterschaften und einem vierjährigen Zyklus globaler Mannschaftsereignisse.

60M+
Geschätzte Bridgespieler weltweit (WBF-Schätzung)
120+
Länder mit WBF-angeschlossenem Bridgeverband
46
Der European Bridge League angeschlossene Länder
29.000
Mitglieder beim Deutschen Bridge-Verband

Der Abstand zwischen 60 Millionen weltweit und den viel kleineren Mitgliederzahlen der einzelnen Verbände zeigt etwas Wichtiges über Bridge. Formelles, organisiertes Turnierbridge über einen registrierten Verband ist nur die Spitze des Eisbergs. Rubberbridge, das informell zu Hause, in Seniorenresidenzen, auf Kreuzfahrtschiffen und in geselligen Runden weltweit gespielt wird, macht den größten Teil des tatsächlichen Spiels aus. Von diesen Partien existiert so gut wie nie eine offizielle Zählung.

Wie viele Mitglieder hat der Deutsche Bridge-Verband?

Der Deutsche Bridge-Verband (DBV), 1949 gegründet, ist die zuständige Dachorganisation für Turnierbridge in Deutschland. Er zählt rund 29.000 Mitglieder, organisiert in etwa 500 Vereinen und 14 Landesverbänden von Schleswig-Holstein bis Bayern. Mitglieder spielen bei Vereinsabenden, Bezirks- und Landesturnieren sowie bei den nationalen Meisterschaften, die der DBV jährlich ausrichtet.

Kernzahlen zum DBV

Aktive Mitglieder
Rund 29.000 nach aktuellen Angaben
Angeschlossene Vereine
Etwa 500 Vereine im gesamten Bundesgebiet
Landesverbände
14 Landesverbände, jeweils zuständig für ihre Region
Gegründet
Der DBV wurde 1949 gegründet
Meisterpunkte
Eigenes Ranglistensystem für Turnierergebnisse, siehe DBV-Meisterpunkte erklärt
Jährliche Turniere
Nationale Meisterschaften plus zahlreiche Landes- und Vereinsturniere pro Jahr

Warum Sinkt die Mitgliederzahl in vielen Vereinen?

Wie in den meisten westlichen Ländern ist das Durchschnittsalter in deutschen Bridgevereinen über die letzten Jahrzehnte gestiegen. Die Generation, die das Spiel in der zweiten Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts erlernte, als Bridge einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben hatte, ist heute überwiegend im Ruhestand oder älter. Nachwuchs aus jüngeren Generationen wächst nicht im gleichen Tempo nach.

Auch in Deutschland konkurriert Bridge mit anderen Freizeitbeschäftigungen, und das Führen eines lokalen Vereins erfordert heute mehr organisatorischen Aufwand als früher. Manche Vereine haben in den letzten Jahren fusioniert oder aufgehört, während andere durch aktive Mitgliederwerbung gewachsen sind.

Online-Bridge hat einen Teil dieser Entwicklung aufgefangen. Spieler, die nicht mehr zum Vereinsabend fahren können oder in eine Gegend ohne bequemen Vereinszugang gezogen sind, können über Plattformen wie Bridge Base Online weiterhin mitspielen. Viele deutsche Vereine bieten inzwischen auch Online-Spielabende neben den Präsenztreffen an, mehr dazu in unserem Vergleich Online-Bridge oder Vereinsbridge?

Bridge in Österreich und der Schweiz: die wichtigsten Zahlen

Neben Deutschland hat der deutschsprachige Raum zwei weitere aktive Bridgeverbände: den Österreichischen Bridgesport-Verband (ÖBV) und die Schweizer Bridge Federation. Beide sind deutlich kleiner als der DBV, aber mit eigener Vereinsstruktur und eigenen Meisterschaften fest etabliert.

Österreichischer Bridgesport-Verband (ÖBV)

Der ÖBV zählt rund 2.600 Mitglieder in etwa 43 Vereinen, organisiert über vier Landesverbände (Niederösterreich, Oberösterreich, Steiermark und Wien). Der Verband richtet die österreichischen Meisterschaften aus und vertritt Österreich bei internationalen Wettbewerben der WBF und EBL.

Schweizer Bridge Federation

Die Schweizer Bridge Federation (Fédération Suisse de Bridge) zählt knapp 3.000 Mitglieder. Wer einem angeschlossenen Schweizer Bridgeclub beitritt, wird automatisch Mitglied des Verbands, der die nationale Rangliste und die Schweizer Meisterschaften organisiert.

2.600
Mitglieder beim ÖBV, in rund 43 Vereinen
3.000
Mitglieder bei der Schweizer Bridge Federation
3
Eigenständige Verbände im deutschsprachigen Raum: DBV, ÖBV, FSB

Wie viele Menschen spielen Online Bridge?

Online-Bridge ist seit Mitte der 2010er-Jahre stark gewachsen, mit einem deutlichen Schub im Jahr 2020, als Präsenzspiel weltweit vorübergehend nicht möglich war. Die wichtigsten Plattformen sind Bridge Base Online (BBO), Funbridge und RealBridge.

Bridge Base Online (BBO)

BBO ist die größte Online-Plattform und am engsten mit dem organisierten Spiel verbunden. Der DBV verweist auf seiner Website unter bridge-verband.de selbst auf BBO, und internationale Verbände übertragen ihre Meisterschaftsspiele darüber. BBO hat weltweit mehrere Millionen Konten registriert, mit zehntausenden gleichzeitig aktiven Spielern zu Spitzenzeiten.

Funbridge

Funbridge ist besonders in Frankreich und auf dem europäischen Festland beliebt und mit deutschsprachiger Oberfläche verfügbar. Die Plattform arbeitet mit einer künstlichen Intelligenz als Gegner, die sich dem eigenen Niveau anpasst, was besonders für Spieler attraktiv ist, die nicht auf einen menschlichen Partner online angewiesen sein möchten.

Der Zeitraum 2020 bis 2022 brachte einen außergewöhnlichen Anstieg bei Online-Bridge-Registrierungen, da Vereine schlossen und Spieler nach Alternativen suchten. Viele dieser neuen oder zurückgekehrten Online-Spieler sind auch nach der Rückkehr zu Präsenzabenden online aktiv geblieben, was der Gesamtbeteiligung am Spiel insgesamt zugutekam.

Wer spielt Bridge? Das typische Alter der Spieler

Das demografische Bild organisierter Bridgespieler ist in den meisten westlichen Ländern, auch in Deutschland, recht einheitlich. Bridge zieht im Durchschnitt eine deutlich ältere Gruppe an als die meisten anderen Wettbewerbsspiele.

70
Ungefähres Durchschnittsalter in vielen deutschen Vereinen
60+
Alter der Mehrheit aktiver Vereinsspieler
500
DBV-Vereine im gesamten Bundesgebiet

Warum liegt das Durchschnittsalter so hoch?

Bridge hatte in Deutschland und vielen europäischen Nachbarländern ab der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts einen festen Platz im gesellschaftlichen Leben. Die Generation, die das Spiel in dieser Zeit lernte, ist heute im höheren Lebensalter. Bridge hat diesen selbstverständlichen gesellschaftlichen Platz in späteren Generationen nicht auf dieselbe Weise behalten.

Auch die Komplexität des Spiels zieht Menschen an, die geduldig und analytisch denken und eine langfristige Lernkurve schätzen, Eigenschaften, die häufig mit dem Alter zunehmen. Bridge belohnt Erfahrung mehr als schnelle Reaktion, was das Spiel besonders gut für ältere Erwachsene geeignet macht, anders als viele Wettbewerbsspiele. Mehr dazu in unserem Ratgeber Bridge für Senioren, der auf die Forschung zu Bridge und kognitiver Gesundheit im Alter eingeht.

Wächst Bridge auch unter jüngeren Spielern?

Jugendprogramme gibt es über die WBF und mehrere nationale Verbände. Schulbridgeprogramme sind in Teilen Asiens aktiv, insbesondere in China, wo die WBF daran gearbeitet hat, Bridge in weiterführenden Schulen zu etablieren. Die WBF richtet eigene Jugendweltmeisterschaften aus und setzt sich gezielt für das Wachstum des Spiels unter Spielern unter 26 Jahren ein.

Der Fortschritt verläuft schrittweise. Online-Plattformen sind heute der wichtigste Weg, über den jüngere Spieler Bridge entdecken, oft durch das Verfolgen von Spitzenspielen auf BBO oder über Apps, die die Grundlagen spielerisch vermitteln. Ob diese Generation neuer Online-Spieler im selben Tempo wie frühere Generationen in die wettbewerbsorientierte Vereinsstruktur übergeht, bleibt abzuwarten.

Die World Bridge Federation und die European Bridge League

Die World Bridge Federation ist der internationale Dachverband des Spiels. Sie richtet den Bermuda Bowl (Weltmeisterschaft der offenen Klasse), den Venice Cup (Damenmannschaften), den d'Orsi Bowl (Senioren) und die World Bridge Games aus, neben weiteren Wettbewerben. Alle vier Jahre bündelt sie mehrere Weltmeisterschaften in der World Bridge Series an einem Austragungsort.

Die European Bridge League (EBL), der auch der DBV, der ÖBV und die Schweizer Bridge Federation angehören, zählt 46 Mitgliedsländer mit zusammen über 270.000 registrierten Spielern. Die EBL richtet die europäischen Meisterschaften aus und koordiniert den Spielkalender innerhalb Europas.

Die WBF wurde in den 1990er-Jahren vom Internationalen Olympischen Komitee als Denksport anerkannt, auch wenn Bridge bislang nicht als Wettbewerbsdisziplin bei den Olympischen Spielen vertreten ist. Sie ist Mitglied der International Mind Sports Association, gemeinsam mit Schach, Dame und Go.

Bridge-Wahrscheinlichkeiten: die wichtigsten Zahlen für den Spieltisch

Neben den Mitgliederzahlen suchen viele Spieler gezielt nach den Wahrscheinlichkeiten, die das eigentliche Spiel bestimmen. Diese Zahlen ändern sich nicht mit der Zeit und gelten unabhängig davon, wo auf der Welt gespielt wird.

Karten in der Farbe (zusammen)Aufteilung der fehlenden KartenWahrscheinlichkeit
8 Karten (5 fehlen)3-267,83%
8 Karten (5 fehlen)4-128,26%
8 Karten (5 fehlen)5-03,91%
9 Karten (4 fehlen)2-240,70%
9 Karten (4 fehlen)3-149,74%
9 Karten (4 fehlen)4-09,57%
10 Karten (3 fehlen)2-178,00%
10 Karten (3 fehlen)3-022,00%

Diese Wahrscheinlichkeiten sind die Grundlage für viele Entscheidungen im Kartenspiel. Bei 8 gemeinsamen Karten in der Trumpffarbe (5 fehlen) liegt die Wahrscheinlichkeit für eine 3-2-Aufteilung bei 68%, weshalb die meisten Kontrakte mit 8 Trümpfen auch bei ungünstiger Verteilung gemacht werden. Bei 9 gemeinsamen Karten (4 fehlen) ist die Verteilung deutlich ungünstiger, was das genaue Abzählen der Karten noch wichtiger macht. Unser Ratgeber Karten zählen erklärt, wie diese Wahrscheinlichkeiten während des Spiels genutzt werden.

Erfolgsquote der Finesse und anderer Standardentscheidungen

SituationErfolgswahrscheinlichkeit
Einfache Finesse50%
Doppelte Finesse (einer von zwei Ehrenkarten muss richtig sitzen)75%
4-Herz-Spiel (zusammen 26 Punkte, 8er-Fit)etwa 80%
3 SA (zusammen 25 Punkte, ausgeglichen)etwa 50% (Grenzfall)
3 SA (zusammen 27 Punkte, ausgeglichen)etwa 75%
Small Slam (zusammen 33 Punkte, kein Ass fehlt)etwa 75-80%
Grand Slam (zusammen 37 Punkte)etwa 60-65%

Diese Erfolgsquoten erklären, warum 25-26 Punkte als Mindestwert für ein Gamegebot gelten. Ein 50%-Game ist für sich genommen keine schlechte Wette, aber über eine ganze Turniersession hinweg kostet das Bieten jedes Grenzfall-Games mehr Punkte, als es einbringt. Mehr zum vollständigen Rahmen in unserem Ratgeber Reizregeln und in Finesse erklärt.

Häufig gestellte Fragen

Wie viele Menschen spielen weltweit Bridge?

Schätzungen der World Bridge Federation legen die weltweite Bridgepopulation zwischen 60 und 100 Millionen Menschen. Verlässliche Zahlen sind schwer zu ermitteln, weil die meisten Partien informell zu Hause gespielt werden und nie bei einem Verband registriert sind. Organisiertes Turnierbridge über die WBF und ihre Mitgliedsverbände umfasst mehrere Millionen registrierte Spieler in über 120 Ländern.

Wie viele Mitglieder hat der Deutsche Bridge-Verband?

Der Deutsche Bridge-Verband (DBV) zählt rund 29.000 Mitglieder in etwa 500 Vereinen, organisiert in 14 Landesverbänden. Der DBV wurde 1949 gegründet und ist die zuständige Dachorganisation für Turnierbridge in Deutschland.

Wie alt sind Bridgespieler im Durchschnitt?

In deutschen Bridgevereinen liegt das Durchschnittsalter meist deutlich über 60, häufig um die 70 Jahre. Ein klarer Großteil der Vereinsmitglieder ist weiblich. Online-Plattformen haben zwar einige jüngere Spieler angezogen, der Kern der Vereins- und Turnierspieler bleibt aber überwiegend älter.

Wie viele Länder haben einen organisierten Bridgeverband?

Die World Bridge Federation hat Mitgliedsverbände in über 120 Ländern. Innerhalb Europas zählt die European Bridge League (EBL) 46 angeschlossene Länder mit zusammen mehr als 270.000 registrierten Spielern. Bridge wird auf jedem bewohnten Kontinent gespielt und gilt neben Schach und Go als anerkannte Denksportart.

Wie viele Menschen spielen online Bridge?

Bridge Base Online (BBO) ist die größte Online-Plattform und hat weltweit mehrere Millionen Konten registriert, mit zehntausenden gleichzeitig aktiven Spielern zu Spitzenzeiten. Funbridge, in Kontinentaleuropa besonders beliebt und mit deutschsprachiger Oberfläche verfügbar, meldet ebenfalls mehrere Millionen registrierte Nutzer.

Wächst oder schrumpft die Beliebtheit von Bridge?

Die Mitgliederzahlen organisierter Vereine sind in den meisten westlichen Ländern, auch in Deutschland, in den letzten Jahrzehnten zurückgegangen. Online-Bridge hat einen Teil dieses Rückgangs aufgefangen und das Spiel neuen Spielern nähergebracht. In Ländern wie China und Indien wächst die Zahl der Bridgespieler dagegen, und die WBF unterhält in vielen Regionen aktive Jugendprogramme.

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